Kritik ist ein seltsames Ding. Manchmal spürt man ihr tagelang nach, manchmal prallt sie ab, und manchmal verändert sie das ganze Leben. Und trotzdem messen wir uns immer wieder daran – an dem Urteil anderer über das, was wir tun und wer wir sind. Wer öffentlich schreibt, wie ich es tue, stellt sich aus. Ich gebe Gedanken und Worte von mir preis und lasse sie in die Welt hinaus. Und dann warte ich darauf, was zurückkommt. Lange Zeit dachte ich, Kritik sei einfach Kritik – bis ich irgendwann merkte, wie unterschiedlich sie sein kann.
Manchmal frage ich mich, wie viel meine Worte eigentlich wiegen, wenn sie doch nur still auf Bildschirmen stehen. Ich schreibe über Frieden, Menschlichkeit und Haltung. Darüber, dass man mutig sein muss, wenn man für etwas einsteht. Doch was passiert, wenn man genau das tun möchte, einen im echten Leben aber die Angst vor dem freien Sprechen lähmt? Ja genau, dann stellt die Realität meine eigenen großen Worte unbarmherzig auf die Probe. Das wurde mir sehr deutlich bewusst.  Ausschlaggebend für diese Erkenntnis war wohl folgende Begebenheit:
Der persönliche Weg von den ersten nächtlichen Zeilen bis hin zur Publikation im Selbstverlag. Ein Einblick in das Handwerk und die absolute kreative Freiheit.
Das bequeme Narrativ von Gut und Böse Bereits in unseren frühesten Kindertagen vermittelt man uns ein unumstößliches Bild von Gut und Böse. Wir lernen es durch alte Legenden, Märchen und Erzählungen. Diese teilen unsere Welt fein säuberlich in strahlende Helden und finstere Schurken ein. Es gibt den klaren Täter und das reine Opfer. Diese strikte Trennung gibt uns als Kindern Sicherheit. Sie baut uns einen moralischen Kompass für eine Welt, die viel zu komplex und furchteinflößend ist. Genau richtig, um das Unbekannte greifbar zu machen. Oder etwa nicht? Ich glaube, genau diese anerzogene Einfachheit macht uns später als Erwachsene oft völlig blind für die feinen, dunklen Zwischentöne. Wir halten krampfhaft an dem kindlichen Schwarz-Weiß-Denken fest. Das Hinsehen auf die unbequeme Realität menschlichen Handelns schmerzhaft ist. Was für Kinder funktioniert, gilt im echten Leben leider nur selten.
„Sag mal, spinnst du?“, hätte meine Oma wohl gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass ich die ganze Welt an meinen Erinnerungen an sie teilhaben lassen will. Meine Kindheitserinnerungen an meine Oma zeigen, was sie für mich war und immer noch ist. Sie hätte mich dabei mit diesem schiefen, schelmischen Lächeln angesehen. Es steht mir heute noch genauso vor Augen wie in meiner Kindheit. Sie war keine Frau für das Rampenlicht; niemand, der sich selbst in den Vordergrund drängte. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte. Eine Frau, die erhobenen Hauptes durchs Leben ging und Trauer wie Freude gleichermaßen kannte.
Umbra Memoriae – Ein Echo der Zeit oder eine Abrechnung Die Welt strömt ungefiltert und unbarmherzig auf uns ein, ohne dass wir uns dagegen wehren können. Sie lauert als Reklame an Bushaltestellen, ploppt in Sekundenschnelle auf den Bildschirmen auf, flimmert uns in den sozialen Medien entgegen und schreit uns aus den Schlagzeilen der Zeitungen an. Kriege, Zerstörung und das ununterbrochene Feiern neuer technologischer „Innovationen“ jagen sich im Minutentakt. Und inmitten dieses lauten Rauschens ertappe ich mich immer wieder dabei, wie erschöpft ich von diesem Zustand bin, wie erschöpft ich von unserer modernen Welt bin. Vielleicht ist „Umbra Memoriae – Fragmente meines Seins“ meine persönliche Antwort auf all das, was da draußen tagtäglich auf uns einstürzt.