Umbra Memoriae – Ein Echo der Zeit oder eine Abrechnung
Die ewigen Vasallen und eine Welt die ungefiltert auf uns einströmt
Die Welt strömt ungefiltert und unbarmherzig auf uns ein, ohne dass wir uns dagegen wehren können. Sie lauert als Reklame an Bushaltestellen, ploppt in Sekundenschnelle auf den Bildschirmen auf, flimmert uns in den sozialen Medien entgegen und schreit uns aus den Schlagzeilen der Zeitungen an.
Kriege, Zerstörung und das ununterbrochene Feiern neuer technologischer „Innovationen“ jagen sich im Minutentakt. Und inmitten dieses lauten Rauschens ertappe ich mich immer wieder dabei, wie erschöpft ich von diesem Zustand bin, wie erschöpft ich von unserer modernen Welt bin.
Vielleicht ist „Umbra Memoriae – Fragmente meines Seins“ meine persönliche Antwort auf all das, was da draußen tagtäglich auf uns einstürzt.
Ein Buch zu schreiben bedeutet meist, eine Fluchtmöglichkeit zu erschaffen. Bei diesem Werk war es anders. Es war eine Konfrontation. Meine Konfrontation mit der Gesellschaft, der Vergangenheit, ja, und auch mit mir selbst. Die Fragmente, die ich zu Papier gebracht habe, sind keine romantischen Schauergeschichten. Sie sind ein Seziermesser, das die Fassaden unserer modernen Zivilisation Schicht für Schicht abträgt.
Umbra hat Jahrhunderte überdauert. Er sah Imperien stürzen, Götter sterben und Generationen vergehen. Und genau aus dieser zeitlichen Distanz blickt er auf uns, auf eine Menschheit, die sich für aufgeklärt und fortschrittlich hält. Er blickt auf eine Gesellschaft, die scheinbar dazu verflucht ist, in alten, zerstörerischen Mustern zu verharren.
Ich möchte euch daher einen kleinen Einblick in Umbras und wohl auch meine Gedankenwelt geben:
Das Geschäft mit dem Krieg
Wenn ich heute Gedichte gegen den Krieg schreibe und mich öffentlich für Frieden einsetze, sagen mir viele Menschen, ich sei „mutig“. Doch das sollte es nicht sein! Es macht mich traurig, dass ein Einstehen für Frieden, Toleranz und Mitgefühl in unserer heutigen Gesellschaft als etwas Außergewöhnliches gilt. Es sollte die Norm sein, keine Ausnahme.
Eines der bittersten Kapitel in meinem Buch befasst sich mit der absoluten Unbelehrbarkeit des Menschen, wenn es um Gewalt geht. Umbra war Zeuge unzähliger Kriege. Er hat die blutjungen Soldaten in den Schützengräben sterben sehen und die kalten Leiber auf den Schlachtfeldern betrachtet. Wenn wir heute die Bilder in den Medien sehen, wird klar: Die Geschichte wiederholt sich, weil sich die Menschheit immer wieder von denselben Mechanismen blenden lässt.
Umbra schreibt:
„Sie folgen, Generation um Generation, überzeugt davon, auf der richtigen Seite zu stehen und merken zu spät, dass sie für die Träume und Lügen anderer sterben.“
Ob für Ideologien, eine Linie auf einer Landkarte oder das Ego der Mächtigen, das Muster bleibt über die Jahrhunderte gleich. Worte werden als Waffen missbraucht, um Zweifel zu ersticken und den Hass zu schüren.
Die Perfektionierung der Oberflächlichkeit in unserer modernen Zeit
Wir feiern unsere digitalen Innovationen als Gipfel der menschlichen Entwicklung. Doch wenn Umbra durch unsere modernen, gläsernen Städte geht, sieht er keine freie Gesellschaft. Er sieht eine tiefe, innere Leere, die sich hinter leuchtenden Oberflächen versteckt.
Hinter Filtern, inszenierten Profilen und Herzen aus Pixeln verbergen wir unsere Wunden und die echte Sehnsucht nach Nähe. Wir „weinen in Emojis“ und verlernen dabei, einander wirklich in die Augen zu blicken. Diese Oberflächlichkeit führt zu einer gefährlichen Kälte.
Es macht mir Angst, zu sehen, wie eine Generation heranwächst, für die Aggression, Vorurteile und Feindseligkeit lauter wirken als Vernunft und Menschlichkeit. Wir erleben immer seltener ein echtes Miteinander, sondern ein erbittertes „Wir gegen Die“.
Die neuen Altäre und warum die Welt strömt ungefiltert auf unsere Kinder trifft
Unsere neuen Götter, zu denen wir beten, thronen nicht mehr im Himmel. Sie heißen Ruhm, Geld, Likes und Aktienwerte. Im Tausch für diese messbaren Illusionen opfern wir allzu oft Mitgefühl, Tiefe und das Staunen.
Besonders schmerzhaft wird dieser Verlust, wenn wir auf die nachfolgenden Generationen blicken. Eine Jugend wächst heran, umgeben von bunten Welten auf flachen, glänzenden Scheiben, in denen jede Information und jedes Spiel sofort verfügbar sind. Alles ist erklärbar, alles konsumierbar.
Doch wie oft riechen diese Kinder noch feuchtes Moos oder hören auf das leise Flüstern der Bäume? Wie oft bleiben sie einfach stehen, um den echten Atem der Welt zu spüren und an Wunder zu glauben? Im Lärm der technologischen Innovationen überhören wir das Unsichtbare und berauben unsere Kinder genau dessen, was uns als Menschen eigentlich ausmacht: der Fähigkeit zum tiefen, stillen Staunen
Monster oder Spiegelbild unserer Gesellschaft
Umbra hält uns den Spiegel vor. Wir zeigen gern mit dem Finger auf das Dunkle, auf unsere Feinde, die „Monster“ der Geschichte oder der Fiktion, um unsere eigene Reinheit zu inszenieren.
Ich habe es satt, tatenlos mit anzusehen, wie wir uns als Menschen immer weiter voneinander entfernen. Ich bin weder mutig noch heldenhaft. Ich versuche lediglich, Verantwortung zu übernehmen. Wer mein Buch aufschlägt, begegnet nicht dem Grauen der Nacht, er begegnet dem Grauen unseres eigenen Alltags, in dem das Mitgefühl wegrationalisiert wurde.
Es ist eine Einladung, endlich die Masken abzureißen, die Waffen niederzulegen und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
Und doch brennt ein Funke während die Welt strömt ungefiltert weitergeht
Warum also schrieb ich diese harten, ungeschminkten Worte? Weil ich glaube, dass das Benennen der Schatten der erste Schritt ist, um Licht zu finden. Umbra ist zwar gefangen in der Ewigkeit der Nacht, doch selbst in seinen düstersten Momenten spürt er ihn noch: diesen einen, leisen Funken. Es ist das Echo des Menschen, der er einst war. Der Wille, das Gute zu sehen, und die Fähigkeit, trotz allem Schmerz noch tief zu fühlen.
Genau darin liegt die Hoffnung. Solange wir die Erschöpfung über die Kälte dieser Welt noch spüren, sind wir nicht taub geworden. Solange wir uns gegen die Ungerechtigkeit auflehnen, und sei es nur durch ein Gedicht oder ein klares Wort, ist das Mitgefühl in uns lebendig. Die Masken und Mauern, die wir uns aufgebaut haben, sind dick, aber sie sind nicht unüberwindbar.
Jedes ehrliche Gespräch, jeder Moment echter, ungefilterter Nähe und jede Hand, die wir einander im Respekt reichen, reißt ein Stück dieser Fassade ein. Wir haben es in der Hand, die Waffen des Hasses beiseitezulegen und den Blick wieder für das Wesentliche zu schärfen.
Lass uns daher nicht müde werden, einander an unsere Menschlichkeit zu erinnern. Damit kommende Generationen in einer Welt, in der Mitgefühl, Freiheit und Toleranz selbstverständlich sind, aufwachsen können.
Eure Anja

