Leben im Jetzt – Momentaufnahme über Zeit, Glück und das Hier und Jetzt

Das Leben im Jetzt – Glück lässt sich nicht planen

Leben im Jetzt bedeutet, den Moment nicht aufzuschieben.
Vor einigen Wochen halfen mein Mann und ich, das Haus eines verstorbenen Verwandten auszuräumen.
Zwischen alten Möbeln, Kisten und Schubladen fanden wir unzählige Dinge – viele davon noch originalverpackt:
Tischtücher, Porzellan, Bettwäsche, edle Gläser – alles sorgfältig für „später“ aufgehoben.

Dasselbe Bild hatte ich schon einmal gesehen – in den Schränken meiner Großmutter.
Auch dort lagen sie ordentlich gestapelt, fein verpackt und nie benutzt:
die guten Handtücher, das edle Tafelservice, das Parfüm „für besondere Anlässe“.
Doch diese Anlässe kamen nie.

Dieser Moment hat mich tief berührt.
Denn so, wie sich Dinge in Schränken ansammeln, die auf „später“ warten,
so sammeln wir auch im Leben aufgeschobene Augenblicke:
Gespräche, Begegnungen, kleine Freuden, die wir verschieben,
weil gerade keine Zeit ist oder der Moment „nicht passt“.

Genau aus diesem Gedanken entstand mein
Gedicht Später

Später

 

„Später rufe ich dich an,
weil ich jetzt nicht reden kann.
Später komm‘ ich gern vorbei,
später nehme ich mir frei.
Später treffen wir uns dann,
später, morgen, irgendwann.“

Ich glaubte, später hätt’ ich Zeit,
doch später ist Vergangenheit.
Aus später wurde oft zu spät,
weil uns die Zeit zu schnell vergeht.

 

 

Wenn Worte Herzen berühren

 

Beim Schreiben dieses Gedichts dachte ich an all die Male,
in denen ich selbst Dinge aufgeschoben habe –
Gespräche, Begegnungen, kleine Gesten, die vielleicht gar nicht viel Zeit gebraucht hätten,
aber viel bedeutet hätten.

Und als ich das Gedicht veröffentlichte,
erreichten mich unzählige Nachrichten von Leserinnen und Lesern.
Viele schrieben mir von verpassten Chancen,
von Menschen, die sie zu lange nicht angerufen hatten,
von Worten, die sie nie gesagt haben.
Diese Nachrichten haben mich tief bewegt.

Vielleicht steckt in all diesen Geschichten dieselbe Erkenntnis:
dass das Leben immer dann geschieht, wenn wir aufhören,
auf den „richtigen Moment“ zu warten.
Denn „später“ ist oft nur ein anderes Wort für „nie“.

Wir verbringen so viele Tage damit, zu planen, zu verschieben,
darauf zu warten, dass irgendwann „mehr Zeit“ ist.
Doch das Leben geschieht genau jetzt – in diesem Augenblick.
Oder, um es etwas leichter zu sagen:
Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot.

Also lasst uns – du, ich, wir alle – wieder mehr leben.
Zieht die Kleidung an, die euch gefällt,
auch wenn das bedeutet, vollkommen overdressed zu McDonald’s zu gehen.
Ruft eure Freunde an, besucht eure Familie,
geht ins Kino, ins Theater oder einfach spazieren,
wenn euch danach ist.

Nicht, weil es spektakulär ist,
sondern weil es euer Leben ist – jetzt, nicht irgendwann.

Denn eines Tages, wenn aus Plänen verpasste Chancen werden,
wünschen wir uns vielleicht,
wir hätten weniger gezögert
und einfach gelebt.

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